Mohr, Max: Venus in den Fischen

 9,90

Roman, Softcover, 240 Seiten

ISBN 978-3-943889-918

 

 

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Beschreibung

Berlin in den Goldenen Zwanzigern: Die »Medizinisch-astrologische Heilanstalt« brummt. Aber der Geschäftserfolg hat einen faden Beigeschmack für Dr. Abba, den hundertelfjährigen Sterndeuter, und Dr. Quaß, den jungen Mediziner: Folgen sie noch den Idealen ihrer Profession? Oder sind sie nur noch gutbezahlte Spielzeuge des neuesten modischen Gesundheitstrends? Kaum beschließen sie trotzig, ihre Kunst ganz ohne geschäftsträchtige Flunkereien auszuüben, kommt es zu Mord und Totschlag …

Max Mohr war ein großer Humorist, und sein temporeicher, satirischer Berlinroman von 1928 über Großstadtleben, Geschlechterkampf, Rassismus, Wissenschaft und Astrologie, einen Mord und die Liebe ist ein bis heute frischer Text. Natürlich auch, weil sein Berlin der leeren Umtriebigkeit, der beliebigen Prominenz, der schnell konsumierten Moden, der Reichen und der Armen, der bunten esoterischen Heilsversprechen auch heute noch – oder wieder – aktuell ist. Und er ist heute noch lesenswert wegen seiner, wie die FAZ einmal schrieb, »präzisen Sprache, die mit wenigen Strichen Menschen, ein Milieu und die Epoche charakterisiert«.

Eine kleine Kostprobe:

»Sie überragte ihren semmelblonden puritanischen Gatten beim Eislauf in St. Moritz und am Steuerrad des Autos, in der täglichen Gymnastikviertelstunde vor dem Frühstück und im Instinkt für Menschen, Tiere und Blumen. Er wiederum war der Stärkere im Verkehr mit den Dienstboten und in der Diät gegenüber Pralinen und Schlagrahm sowie im Ertragen der religiösen und sozialen Skrupel und der längeren Regenperioden auf dem Land. Es war eine harmonische Paarung. Er liebte sie, sie ließ sich von ihm lieben. Er war ein »paneuropäischer Gentleman«, solange man nicht in Geldgeschäften mit ihm zu tun hatte, sie war die »Tizianlady«, solange nicht ihre kleine fette Mama, der sie trotz allem verteufelt ähnlich sah, in der Nähe war.«