Schlesinger, Paul (Sling): Richter und Gerichtete

 11,90

Paul Schlesinger (alias Sling)

Richter und Gerichtete. Gerichtsreportagen aus der Weimarer Republik

, 352 Seiten

Erstveröffentlichung 1929

ISBN 978-3-943889-901

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Beschreibung

Paul Schlesinger zeichnete seine Reportagen kurz mit „Sling“, unter diesem Namen war der berühmteste Gerichtsreporter der Weimarer Republik jedem seiner Zeitgenossen ein Begriff.

Er nimmt Anteil am Schicksal der Opfer, betrachtet aber auch die Täter nicht nur als Kriminelle, sondern auch als Menschen. Er hat einen scharfen Blick für das Rechtssystem der Weimarer Republik und nimmt ihre Vetreter ins Visier: Für Rechtsanwälte, Staatsanwälte oder Richter findet er gelegentlich lobende Worte, aber er spart auch nicht mit Kritik. Sling führt hier im besten Sinne vor, wie die Presse als „vierte Macht“ die staatlichen Institutionen überwacht, indem sie darüber berichtet. Und das manchmal bewegend, manchmal empörend, oft sehr komisch, aber immer mitreißend und spannend.

Umschlagmotiv: Das Kriminalgericht Moabit

 

»Ich suche im Gerichtssaal die seelischen Beweggründe der auftretenden Personen, der Angeklagten, der Zeugen. Ich kann es auch nicht unversucht lassen, in die Herzen des Staatsanwalts und des Richters zu blicken. Das aufgenommene Bild erzeugt in mir Trauer, Empörung, Furcht, Mitleid, Verachtung, Heiterkeit, Spottlust, Liebe und Hass. Dann versuche ich, mein Gefühl nachzuschaffen, es dem Leser kenntlich zu machen. Ich bin gewiss imstande, ich habe es gelernt, den Bericht zu schreiben, den man im Grunde deshalb objektiv nennt, weil er die Ansicht des Richters ausspricht oder ihr wenigstens nahezukommen versucht. Aber »richtig« ist dieser richteroffiziöse Bericht schon deshalb nicht, weil im Gericht ebensowenig was richtig ist wie sonst im Leben.«