Wie viele seiner Generation zieht August Hermann Zeiz, Jahrgang 1893, euphorisch in den Ersten Weltkrieg. Von der Front im Westen schickt er regelmäßig Feldpostbriefe an seinen väterlichen Freund, Theodor Wolff, den Chefredakteur des linksliberalen Berliner Tageblatts. Der macht daraus eine Art Kriegstagebuch und hebt Zeiz’ Eindrücke direkt ins Blatt. Eindrücke, die in der Novelle Tanz um den Tod (1918) weiter verarbeitet werden, einer dichten, schonungslosen Schilderung des Soldatenalltags mit der Botschaft, statt schwerer Kriegsgeschütze die Menschlichkeit sprechen zu lassen.

In seinen späteren Gerichtsreportagen vor allem für das Berliner Tageblatt analysiert Zeiz, anhand konkreter menschlicher Schicksale, die ökonomischen Verhältnisse der Weimarer Republik. Zeiz versteht sich jedoch als Literat, der Journalismus bleibt für ihn verhasster Brotberuf.

Verstärkt wendet er sich dem Theater und dem Film zu. Sein Talent, Bilder sprachlich zu gestalten, Handlungen in Episoden zu denken, wird Methode: Zusammen mit seinem Verleger Georg Marton gründet er eine Art Schreibwerkstatt, in der verschiedene Autoren dramatische Stoffe für den Film adaptieren. Wie am Fließband beginnt die Produktion zu laufen, bis die Nationalsozialisten die Maschine stoppen.

1934 emigriert Zeiz mit seiner jüdischen Ehefrau Gertrud nach Wien. Nach dem »Anschluss« Österreichs, 1938, lebt er eine riskante Doppelexistenz. Einerseits agiert er öffentlich als vom NS-Regime geduldeter Komödienautor und Verleger, andererseits kämpft er verborgen im Widerstand, nicht zuletzt als Fluchthelfer verfolgter Juden.

Anfang 1943 wird Zeiz enttarnt und anschließend in das Konzentrationslager Dachau deportiert. Fast zeitgleich ermorden die Nationalsozialisten seine Frau in Auschwitz. Der Schriftsteller kehrt als gebrochener Mann aus Dachau zurück. Ende der 1950er Jahre zieht er sich aus dem aktiven Leben zurück. Schreiben kann er nicht mehr, ihn plagen Depressionen und Gedächtnisverlust. Seine Rehabilitierung als Widerstandskämpfer hat er nicht mehr erlebt. Erst 1977 würdigte die österreichische Regierung seine Verdienste im Widerstand gegen die Nationalsozialisten. Da war August Hermann Zeiz jedoch schon seit 13 Jahren tot. Er starb vergessen am 30. August 1964 in Berlin.

Silke Engel

 

Von August Hermann Zeit ist im Regenbrecht Verlag erschienen:

Tanz um den Tod

Softcover, 116 Seiten,  9,90

ISBN 978-3-943889-49-9